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Archivalie des Monats März 2019: Film in Fallingbostel. Ein Rückblick auf die Kinogeschichte der Kreisstadt

Lichtspieltheater, Lichtspielhaus oder Filmtheater – diese Bezeichnungen für das Kino lassen etwas von dem Zauber erahnen, den Filme einst entfalteten. Auch in Fallingbostel ließ man sich von 1927 bis 1986 fast sechs Jahrzehnte vom Kino verzaubern.

Am 28. Dezember 1895 lernten die Bilder das Laufen. Im Pariser „Grand Café“ zeigten die Brüder Auguste und Louis Lumière ihre ersten Kurzfilme. „Szenen aus dem Alltag“ wurden dem teils erschreckten, teils faszinierten Publikum geboten: das Baby auf den Knien der Mutter, dem sein Frühstück in den Mund gestopft wird oder die Filmburleske „Der begoßene Begießer“ – nämlich die Sache mit dem Gartenschlauch, auf den jemand tritt, der Gärtner untersucht die Spritze, worauf ihm der Wasserstrahl ins Gesicht schießt – dies also steht am Anfang der nunmehr fast 125-jährigen Filmgeschichte.

 

Zunächst war der Film vielfach ein Jahrmarktsspektakel. Vorführer zogen mit ihren Apparaten über Land, sie werden sicher auch nach Fallingbostel gekommen sein, um mit den bewegten Bildern Einheimische wie Sommerfrischler zu faszinieren. Das eigentliche Kinozeitalter im „Paradies der Heide“, wie Fallingbostel in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts genannt wurde, begann aber erst am 20. März 1927. Damals eröffnete Wilhelm Eggers im Saal des Lieth-Hotels die „Fallingbosteler Lichtspiele“.

 

Über Wilhelm Eggers mutigen Schritt berichtete Rudolf Klessing in der Walsroder Zeitung: „Wilhelm Eggers kommt eigentlich nicht 'vom Fach'. Aber seit seiner frühesten Jugend interessiert ihn der Film: die Leinwand und vor allem die Technik des Films waren sein Steckenpferd, an dem er mit der ganzen Begeisterung des Amateurs hing. Natürlich ging er auch ins Kino. Das war damals noch das Wanderkino Rake, eine der Flimmerkisten, die von Ort zu Ort zogen und mehr rechten als schlechten Kintopp zeigten.

 

So kam denn dem 27jährigen Fahrlehrer Eggers der Gedanke, daß man so etwas auch stationär und besser machen könnte. Und als ihm dann Frau Lüder, die frühere Besitzerin des Lieth-Hotels, den Saal zur Verfügung stellte, realisierte er seine 'Werte': er verkaufte sein nahezu selbst zusammengebasteltes Motorrad für 380 RM und gab dieses Geld als Anzahlung auf einen Vorführapparat, der rund 2500 RM kostete.

 

Mit dieser Maschine lief dann [...] – in der Zeit des Stummfilms [..], als Gerda Maurus, Harry Piel, Tom Mix und der vierbeinige Star 'Rintintin' die Kassenschlager waren und das Gestirn Fritsch-Harvey eben am Filmhimmel aufging – der erste Film der neuen 'Fallingbosteler Lichtspiele' an. Der Streifen hieß 'An der schönen blauen Donau“; und in den Hauptrollen spielten Lia Mara und Harry Liedtke. Der Andrang zu dieser Eröffnungsvorstellung war riesengroß. Die Vorstellung [...] klappte wie am Schnürchen. Daß nach jedem Akt eine Pause entstand, minderte die Freude der Gäste nicht. Die 'Fallingbosteler Lichtspiele' waren damit glücklich aus der Taufe gehoben.

 

In der Folgezeit spielte Wilhelm Eggers ein- bis zweimal in der Woche. Das Geschäft ging gut, und bereits nach sechs Monaten war die teure Maschine abgezahlt. Dann kam 1930 die allgemeine Wirtschaftskrise; die Besucherzahl verringerte sich bis auf den nicht allzu großen Kreis des Stammpublikums.“

 

Soweit der Bericht von Rudolf Klessing. Wollten die „Fallingbosteler Lichtspiele“ weiter existieren, mussten sie den Schritt hin zum Tonfilm wagen. Vor den hohen Investitionen in eine Lichttonanlage schreckte Wilhelm Eggers zunächst zurück: 45.000 RM wären aufzubringen gewesen! Stattdessen setzte er eine Schallplattenapparatur ein. Am Samstag, dem 29. August 1931, war es soweit. Dem verehrten Publikum wurde die Tonfilmoperette „Liebeswalzer“ mit Lilian Harvey und Willi Fritsch vorgeführt. Die beiden Hauptdarsteller sangen und tanzten auch die Schlager dieses Films: „Liebeswalzer“ und „Du bist das hübscheste Mädel der Welt“. Im Vorprogramm wurden der Kultur-Tonfilm „Regen, Blitz und Donner“ sowie der Streifen „Der Quäkende Narr“ gezeigt. Der Eintritt kostete 1,- bzw 1,20 RM – zum Vergleich: für ein Normalbrot von 1250 Gramm waren 46 Pfennige zu zahlen. „Kartenvorverkauf im Lieth-Hotel. Fahrräder können untergestellt werden.“

 

Die preiswerte Grammophonübertragung konnte das Publikum jedoch nicht befriedigen. Es war schwer, Ton und Bewegung in volle Übereinstimmung zu bringen. Bei jeder neuen Filmrolle begann das Geduldsspiel, Film und Ton zu synchronisieren, wieder. Es half nichts, eine Lichttonanlage musste her. Bereits im November 1931 zeigte Wilhelm Eggers mit dieser keine Wünsche offen lassenden Technik den Film „Die drei von der Tankstelle“ mit Lilian Harvey, Willy Fritsch, Oskar Karlweis und Heinz Rühmann in den Hauptrollen. Erfrischende Originalität, stilistische Geschlossenheit und der beschwingte Witz der Figuren zeichnen diesen frühen Höhepunkt des deutschen Filmmusicals aus. Der Film wurde zu einem legendären Publikumserfolg.

 

Er markiert die eine, die unterhaltsame Seite der Filmgeschichte. Der Film war immer aber auch ein Politikum – und das zeigte sich selbst in einem Ort wie Fallingbostel. Die gesellschaftliche und politische Zerrissenheit am Ende der Weimarer Republik machte auch vor dem Film nicht halt. Auf einer Veranstaltung der NSDAP-Ortsgruppe Fallingbostel wandte sich im Juni 1931 Dr. Heymann aus Bremervörde gegen  „Schmutz und Schund“. Er warf dem jüdischen Geist vor, er versuche nun, nachdem es ihm gelungen sei, auf wirtschaftlichem Gebiet den völligen Ruin des Mittelstandes und des selbständigen Handwerks sowie der Landwirtschaft zu erreichen, „[...] die noch gesund gebliebene deutsche Seele zu vergiften [...].“ Gewettert wurde gegen Filme, die vermeintlich Untreue, Unsittlichkeit, Vaterlandslosigkeit priesen – als Beispiel wurde die Verfilmung von Erich Maria Remarques Roman „Im Westen nichts Neues“ genannt, gegen die in ganz Deutschland von Seiten der Nationalsozialisten derart heftig protestiert wurde, dass ihre Aufführung schließlich von der Filmoberprüfstelle im Dezember 1930 verboten worden war. Im Anschluss an die Kundgebung in Fallingbostel wurde als Gegenbeispiel nationalsozialistischer Kulturauffassung der Film „Siegfrieds Tod“ gezeigt, den Fritz Lang 1923 gedreht hatte. Statt der realistischen Darstellung der Geschehnisse im Ersten Weltkrieg wurde die Welt der Nibelungen glorifiziert.

 

Sehr erfolgreich verlief für die NSDAP-Ortsgruppe auch ein Filmabend Ende März 1933, denn nach der Vorführung erklärte eine große Anzahl der Zuschauer ihren Beitritt zur Partei. Dem Massenmedium Film wurde – ebenso wie dem Rundfunk – von den Nationalsozialisten und insbesondere von Reichspropagandaminister Joseph Goebbels große Bedeutung zugemessen. Einerseits sollten Streifen mit propagandistischem Gehalt im Publikum erwünschte Haltungen wie Opferbereitschaft und Autoritätsgläubigkeit verankern, andererseits sollten die Unterhaltungsfilme von den Sorgen des Alltags und ab 1939 von den Nöten des Kriegs ablenken.

 

Auch hierfür finden sich in der Fallingbosteler Filmgeschichte Beispiele. „Wegen Überfüllung geschlossen“, so überschrieb die Walsroder Zeitung im August 1939 ihren Bericht über die erste Vorführung des Films „Im Kampf mit dem Weltfeind“. Vor ausverkauftem Hause wurde dieser Streifen über „Deutsche Freiwillige in Spanien“ gezeigt. „Viele, die noch Einlaß begehrten, mußten umkehren, da die Polizei die Schließung des Theaters wegen Überfüllung angeordnet hatte“, schließt der Zeitungsartikel. Vierzehn Tage vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges erwies sich ein Film über den spanischen Bürgerkrieg als Publikumsmagnet!

 

Unterhaltung bot dagegen die Verfilmung von Hermann Löns' Roman „Dahinten in der Heide“. Im September 1936 weilte ein Filmteam zu Außenaufnahmen in Fallingbostel. Im „Fallingbosteler Hof“ bezogen der Spielleiter Carl Boese und die Schauspieler Hilde Meißner, Hans Stüwe, Hermann Speelmann, Helmut Rudolph, Hans Leibels, Hellmuth Weiß, Albert Florath, Julie Gerda, Gerhard Damman, Gerhard Bienert u. a. Quartier. Die Außenaufnahmen fanden bei Fallingbostel, Ostenholz und den Sieben Steinhäusern statt. Bereits kurz nach der Uraufführung wurde der Film im März 1937 in den „Fallingbosteler Lichtspielen“ gezeigt.

 

Die Besucherzahlen der Filmtheater waren allgemein gestiegen. In Fallingbostel kam noch eine Besonderheit hinzu: Die Arbeiter, die die Anlagen des Truppenübungsplatzes Bergen errichteten, und später dann die Soldaten gingen in die „Fallingbosteler Lichtspiele“. Tägliche Vorführungen wurden erforderlich. Das konnte nicht im Saal des Lieth-Hotels erfolgen, der ja auch für andere Veranstaltungen genutzt wurde. Die Lichtspiele wurden zum „Hotel zum Böhmetal“ verlegt. Ein Nebengebäude wurde eigens für diesen Zweck umgebaut und mit einer festen Bestuhlung sowie einer modernen technischen Ausstattung versehen. Am 20. Mai 1938 wurden die „Fallingbosteler Lichtspiele“ mit dem Film „Zauber der Bohème“ von Geza von Bolvary mit Martha Eggert, Jan Kiepura, Paul Kemp, Theo Lingen, Oskar Sima und Carl Günther in den Hauptrollen eröffnet. Stolz wies Wilhelm Eggers darauf hin, dass zwei neue Ernemann-Bildtonmaschinen eingebaut worden waren, die es ermöglichten, ohne jede Unterbrechung die Filme vorzuführen und nicht mehr wie vordem nach jedem Akt eine längere Pause einlegen zu müssen.

 

Gerade während des Zweiten Weltkrieges wurden vermehrt Unterhaltungsfilme gezeigt. Mit propagandistisch überfrachteten Streifen hätte man das Gegenteil von dem erreicht, was man wollte. So aber trösteten die Filme über die Kriegsereignisse hinweg. Je schlechter es an der Fronst stand, umso aufmunternder scheinen die Filme gewesen zu sein. Die Filmschlagertitel jener Zeit sprechen Bände: „Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“, sang Heinz Rühmann. Zarah Leander behauptete „Davon geht die Welt nicht unter“ und meinte gar „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen.“ Das Wunder aber blieb aus und die Welt ging unter, jedenfalls die Trugwelt des Dritten Reiches, die Grauen und millionenfachen Tod gebracht hatte.

 

Im April 1945 besetzten britische Truppen Fallingbostel. Die Hotels und großen Privathäuser wurden beschlagnahmt, darunter auch das „Hotel zum Böhmetal“ mit den „Fallingbosteler Lichtspielen“. Vierzehn Monate lang musste sich das Fallingbosteler Filmpublikum mit seltenen Vorführungen zufrieden geben. Erst im Sommer 1946 wurden die Lichtspiele wieder freigegeben. Mit verschiedenen Neuerungen ausgestattet, wurde der Kinobetrieb wiederaufgenommen. Im März 1952 konnte Wilhelm Eggers das 25-jährige Bestehen seines Filmtheaters feiern – mit der Aufführung des Filmes „Grün ist die Heide“, bei dessen Titel ein Liedtext von Hermann Löns Pate stand. Dieser Film von Hans Deppe nach Motiven von Hermann Löns mit Rudolf Prack und Sonja Ziemann in den Hauptrollen leitete die höchst erfolgreiche Renaissance des „Heimatfilms“ im deutschen Kino der Nachkriegszeit ein.

 

Die Walsroder Zeitung verglich diesen Film mit der Produktion von 1932: „Damals aber gab es ein großes, ungeteiltes Deutschland, damals gab es noch nicht Millionen Flüchtlinge, Heimatvertriebene und Entwurzelte. Undenkbar zu dieser Zeit, daß eine grüne Grenze jemals nahe jener Landschaft, die ein Löns mit Hingabe besang, verlaufen könnte und Deutschland in zwei Hälften teilen würde. Als man jetzt diesen Stoff wiederum für einen zeitgemäßen Farbfilm wählte, hat man dieser tragischen Tatsache gedacht!

 

'Grün ist die Heide' ist daher nicht nur ein Heimatfilm, dessen Außenaufnahmen im Naturschutzgebiet der Lüneburger Heide entstanden und der daher Landschaftsaufnahmen von ungewöhnlichem Reiz aufweist, sondern er berührt das Herz aller unmittelbar, die fern ihrer Heimat zu leben gezwungen sind.

 

Neben der Schlichtheit der Heidelieder also, die Löns in für Deutschland glücklicheren Zeiten ersann, klingt die ergreifende Weise aus dem Riesengebirge, die ein Heimatvertriebener schrieb, und in das heideverwobene Spiel ist auch ein Flüchtlingsschicksal unserer Zeit eingeflochten, denn die beiden weiblichen Hauptpersonen haben in der Heide ihre zweite Heimat gefunden und sie liebgewonnen.“

 

Die Botschaft der Heimatfilme der 1950er Jahre lautete, dass durch Güte und gegenseitiges Verständnis und den moralischen wie wirtschaftlichen Wiederaufbau eine heile und solidarische Welt geschaffen werden könnte, in der alle, auch die Heimatvertriebenen, gleichsam heimisch wären. „Balsam für die Seele“ waren diese erfolgreichen Filme. Schwerer hatten es dagegen Filme, die sich mit der jüngsten Vergangenheit auseinandersetzten. Dazu zählt auch der Film „Mütter, Kinder und ein General“, den Richard Benecek im November 1954 mit Ursula Herking, Therese Giehse und Hilde Krahl zum Teil im Kreis Fallingbostel drehte. Eine Szene wurde in Fallingbostel aufs Zelluloid gebannt: Auf der Walsroder Straße marschiert eine Gruppe deutscher Landser entlang. Verschlissene, beschmutzte feldgraue Uniform, im Knopfloch das EK II, Knobelbecher, Karabiner und Brotbeutel. Ein abgerissener Haufen deutscher Soldaten kurz vor dem Untergang der deutschen Wehrmacht.

 

Während diese Filmaufnahmen keine große Beachtung fanden, widmete die Walsroder Zeitung mehrere Seiten den Dreharbeiten zu dem Film „Rot ist die Liebe“, in dem Regisseur Karl Hartl recht frei mit der Biographie von Hermann Löns schaltet und waltet. Für die Außenaufnahmen, die zwei Wochen im Kreisgebiet dauerten, erwartete Fallingbostel im September 1956 Sterne und Sternchen des deutschen Films: Dieter Borsche in der Rolle von Hermann Löns, Barbara Rütting als Lisa Löns, Cornell Borchers, Günther Lüders und Susanne Cramer. Beim von der Bavaria-Filmproduktion veranstalteten Kegelabend im Lieth-Café an der Böhme, zu dem namhafte Filmjournalisten aus der gesamten Bundesrepublik geladen waren, betätigten sich die Schauspieler nicht nur sportlerisch, sondern tranken zu den Schinkenbroten auch „Ratzeputz“ – „Wenn man schon mal in der Heide ist.“

 

Die Dreharbeiten im Tietlinger Wacholderhain lockten halb Fallingbostel an – für den Regisseur und sein Team keineswegs willkommene Zaungäste. Polizeiposten mussten die Menschenmenge hinter die Absperrseile zurückdrängen. Wem es von den heimischen Filmfreunden gelang, bei den Außenaufnahmen einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, dem wurde ein ausgezeichneter Anschauungsunterricht erteilt. Rudolf Klessing schrieb in der Walsroder Zeitung: „Jeder, der den Dreharbeiten einige Stunden lang zuschaut, begreift, daß Filmen recht mühsam und ganz und gar unromantisch ist. Ein hartes Stück Arbeit. Über eine Stunde lang waren [...], um nur ein Beispiel zu nennen, Dieter Borsche und Günther Lüders damit beschäftigt, eine Einstellung durchzuüben, die im Film einige kurze Sekunden dauert. Sie standen sich gegenüber und waren mit einem nur wenige Sätze umfassenden Dialog beschäftigt, immer wieder in Haltung, Gestik, Mimik und Tonfall vom Regisseur korrigiert. Und das, während die Sonne vom Himmel herniederbrannte, die Scheinwerfer für zusätzliche Hitze sorgten, das technische Personal abwechselnd in die Runde schaute und die mehrhundert Zaungäste bemüht waren, sich mit einen Blick, kein Wort und keine Geste der beliebten Filmkünstler entgehen zu lassen [...].“

 

Die Uraufführung von „Rot ist die Liebe“ fand im Januar 1957 in Hannover statt. Neun Monate hatten die Arbeiten an dem Film gedauert, mehr als eine Million Mark betrugen die Kosten. Als „Löns-Film ohne Hermann Löns“ charakterisierte Rudolf Klessing das fertige Produkt. „Star ist die Heide“, lautete sein Urteil. „Alles in allem: ein Unterhaltungsfilm, der sein Publikum finden wird. Und nicht ohne beträchtlichen Werbewert für unsere Heide.“

 

Der deutsche Film hatte Konjunktur. Noch ohne die Konkurrenz des Fernsehens erlebte er goldene Zeiten. Da lag es nahe, dass auch in Fallingbostel die „Fallingbosteler Lichtspiele“ allein den schwunghaft gewachsenen Publikumsstrom nicht mehr bewältigen konnten. Am 10. März 1957 wurden deshalb von den Familien Kelpe und Rebhan als zweites Kino in der Kreisstadt die Regina-Lichtspiele eröffnet. Eine alte, zur Gastwirtschaft „Amtshof“ gehörende Scheune wurde in fünf Monaten in ein Kino umgebaut, das 400 Menschen Platz bot. Die hinteren drei Reihen des Zuschauerraumes wurden dabei zu erhöhten Logen ausgebaut. Die Spezialleinwand konnte motorisch auf drei Bildgrößen verstellt werden: auf Normalbild, auf Breitwandbild und auf Cinema Skope mit neun Metern Bildbreite.

 

Dennoch, auch solche technischen Neuerungen konnten in den siebziger Jahren das Kino-Sterben nicht aufhalten. Das Fernsehen hatte sich Platz eins als Abendunterhaltung erobert. Die „Fallingbosteler Lichtspiele“ hinter dem „Hotel zum Böhmetal“ schlossen. Werner Eggers betrieb nun das „Regina“ als einziges Kino weiter. Viele Filme, die heute im Samstagnachtprogramm der privaten Fernsehsender zu sehen sind, wurden in den Spielplan aufgenommen. So wurden neben Heimatfilmen wie „Wenn die Heide blüht“, Kriegsfilmen wie „Sturzflug in die Hölle“, Karatefilmen wie „Chen Sing – Die Faust im Genick“, Western wie „Leben – ums Verrecken“, Krimis wie „Ein toller Bluff“ und Komödien wie „Der Edel

weißkönig“ vermehrt „lustige Sexfilme“ – so die Ankündigung im Spielplan – wie „Als die Frauen noch Schwänze hatten“, „Krankenschwestern-Report“ oder „He and She – der perfekte Liebesakt“ gezeigt. Trotzdem gingen die Zuschauerzahlen weiter zurück. Am 23. Februar 1986 gab es im Regina die letzte Vorstellung Michael Jay in „Teen-Wolf“. Die Walsroder Zeitung bescheinigte dem Kinobetreiber Werner Eggers, dass er sich anderthalb Jahrzehnte lang sehr darum bemüht hatte, das „Regina“ am Leben zu erhalten – „[...] aber es sieht ganz so aus, als könnte sich in Fallingbostel kein Kino gegen das Fernsehen und die vielen anderen Unterhaltungsangebote durchsetzen.“